Der Paprika-Nazi

Neulich war ich in dem Supermarkt, von dem ich auf diesem Blog so schwärme.  Am gleichen Tag, als ich das steinharte „frische“ Brot dort kaufte, kam es zu einer lautstarken Auseinandersetzung mit einem Freiwilligen von der Volksfront. Ich traute mich zum ersten Mal, eine Verkäuferin zu fragen, wo denn das beworbene Mineralwasser stehe, das ich kaufen wollte. Es stand hinter drei meterhoch aufgestapelten Kistenreihen ganz unten. Mit dem nächsten Getränk war es genauso. Als ich mich beschwerte, dass hier bewusst die miesen Produkte nach vorn gebracht werden und die anderen unerreichbar seien, sagte das Billa-Verkäuferfräulein, sie würde mir helfen. Nun stellen die Supermärkte bewusst diese zierlich gebauten weiblichen Hilfsangestellten ein, damit der Kunde sich geniert, sie zu fragen, ob sie denn das hinter und unter zig Getränkekisten lagernde Mineralwasser und dann noch eine Getränkekiste, die wiederum hinter und unter zig Kisten verstaut ist, für einen herausholen könne. Billa sollte darauf hingewiesen werden, dass es in diesem Fall für die unzähligen Bandscheibenvorfälle und die Frühpensionierung seiner Angestellten die Verantwortung trägt und dass diese gesundheitliche Beeinträchtigung nicht von der Solidargemeinschaft, sondern von Billa allein finanziell getragen werden sollte. Als ich mich darüber aufregte, dass mir da ein zierliches Frauenzimmer vor die Nase geschoben wird, das ich aufgrund meiner Bedenken sicher nicht um Hilfe fragen will und dass sie nicht einmal in der Lage sei, die verfaulten Paprika aus der Gemüsetheke zu entfernen, kam gleich ein auf arbeitslos ausgebildeter Provinzler mit seinem Wagen vorgeschoben und keifte mich lautstark an, ich solle mich beruhigen und dass man das vielleicht dort so mache, wo ich herkomme, aber hier mache man das nicht so. Ganz genauso war es auch zu den Blütezeiten des Dritten Reiches. Der Mob hat seitdem an Reiz nichts verloren. Derjenige, der sich im miesen System nicht mitdrehen will, wird vernichtet. Solcherlei überzeugte Pseudo-Helfer erinnern einen an die „guten“ alten Zeiten, in denen ’s Maul halten oberstes Gebot war. Bin ich vielleicht in eine Verschwörung hineingeraten und das vergammelte Obst und Gemüse im Billa gehört zu einem vetrackten Plan von Freimaurern, die Welt an verdorbener Rohkost verrecken zu lassen?

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Über ruthwitt

Politikwissenschafterin.
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