„Skandal Österreich Nazilied“

Nachdem Österreich nun nichts mehr im Skispringen reißt und die Springer und Flieger eher ein teures repräsentatives Accessoire sind- wie die im Geiste emeritierte österreichische Fußball-Nationalmannschaft-, muss sich die ehemals stolze Nation überlegen, wofür Österreich noch gut und in der Welt bekannt sein soll. Für internationalen Menschen-Import-Export vielleicht? Immerhin sind Waltz und Schwarzenegger wahre Exportschlager, auch wenn Arnie jetzt öfters bei österreichischen Sportveranstaltungen und anderen Happenings zu sehen ist und vielleicht schon eine wenigstens temporäre freiwillige Ausreise aus dem Land der Träume ins Land der Spanischen Hofreitschule und des Wiener Schnitzels im Auge hat, da sich in der Wahlheimat niemand mehr so richtig für ihn interessiert. Aber ob Waltz oder Arnie- mit den Berühmtheiten ist es in Zeiten von globalem Internet, facebook und youtube-Self-made-Stars so, dass man sie beim nächsten Stop im Fastfood-Restaurant schon wieder vergessen hat. Auf der anderen Seite importiert Österreich sehr erfolgreich Menschen. Ob reiche Russen oder reiche Araber- illiberales Gedankengut, dubiose Bündnisse und Geldquellen oder die von den Österreichern so gefürchtete Verschleierung hin oder her- Geld stinkt nicht und ein Dauervisum oder eine Staatsbürgerschaft bringen dem einen oder anderen Konsul, Botschafter und Mitarbeiter diverser Ministerien Dankbarkeit und vielleicht auch anderes. Aber es gibt etwas, wofür Österreich schon immer weltbekannt war und wohl noch lange sein wird: Es ist das Land der Nazi-Skandale und der europaweit dämonisierten Blauen Gefahr. Immer, wenn es nichts mehr zu berichten oder politisch zu debattieren gibt, wird ein Wiederbetätigungs-Thema aus dem Hut gezaubert, auch wenn es nur ein von niemandem beachtetes Burschenschaftler-Lied ist, das sich die meisten jungen Österreicher sicher nicht auf youtube anhören. Viele vermuten Neid dahinter. Den Neid der deutschen Nachbarn über die Österreicher und den Neid der Unterschichten über die exklusiven Burschenschaftler. Doch ein gewisser Neid ist durchaus berechtigt: Da verteidigt ein „halber Perser“ im ORF-Interview einen Oberschichten-Verein, der ausgerechnet von einem kritisiert wird, der auch nicht gerade ein Repräsentant sozialer Unterschichten ist- Christian Kern. Immerhin- selten trifft man bei den Burschenschaften auf Vertreter aus dem Plattenbau, die sich für das Studium, wenn sie denn eines machen können, verschulden müssen und neben dem Studium arbeiten müssen und selten hat ein Unterschichten-Vertreter mit eventuellem Migrationshintergrund, dessen vielleicht alleinerziehender Elternteil Grundsicherung bezieht und von der Hand in den Mund lebt, „Nazi-Lieder“ oder Nicht-Nazilieder in einer schlagenden Verbindung angestimmt, denn in den exklusiven Club der Burschenschaften kommt auch ein „halber Perser“ nur herein, wenn er und seine Familie etwas zu bieten haben. Und wieder wird erfolgreich von dem wahren Skandal abgelenkt: Dass Burschenschaften ein anti-feministischer, diskriminierender Verein sind, der seine Zeitgeist-feindliche Stellung aggressiv zur Schau stellt und der damit genauso der Freiheit und Aufklärung entgegenarbeitet wie Moscheevereine und religiös basierte Schulen. Andererseits- was bleibt von Österreich, wenn es keine „Nazi-Skandale“ und Sozialneid erweckenden Burschenschaften oder Opernbälle mehr gibt?

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Über ruthwitt

Politikwissenschafterin.
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