Hurra, das Donauzentrum brennt

Ich dachte nicht, dass ich noch einmal da hin komme. Und schon gar nicht freiwillig. Ich hasse das Donauzentrum, weil ich Einkaufszentren generell für eine Art Massentierhaltung für Menschen halte. Eingepfercht in Kästen ohne Frischluft mit tausenden Humankakerlaken, die scheinbar weder zur Schule, noch zur Arbeit gehen müssen, geschweige denn etwas Besseres zu tun haben, als in eine Mall zu gehen. Mir käme beispielsweise nie in den Sinn, zu einem Bekannten zu sagen „Treffen wir uns im Donauzentrum“. Aber das tun viel zu viele und sie alle schwimmen wie die Sintflut über dich drüber, wenn du erst einmal drin bist. Jedenfalls verdränge ich jeden Gedanken an dieses abstoßende Einkaufszentrum, aber heute konnte ich es nicht. Ich erblickte wie der Zufall es will (ich war es nicht, ich habe das Feuer nicht gelegt, ich schwör‘, Mann!) Einsatzwägen in der Ferne und eine Rauchwolke, die mir nach einiger Zeit nicht mehr als harmloser Cumulus erschien. Trotz meiner Abneigung entschied ich, mit meinem Begleiter hinzugehen und ich sage Ihnen, noch nie habe ich so viele vergnügte Leute einen brennenden Gebäudekomplex mit ihren Handys filmen und fotografieren sehen. Ob Reporter oder Schaulustige- alle lachten und schauten amüsiert zu dem Einkaufszentrum mit den schwarzen Rauchschwaden, zu den Feuerwehrleuten, den Einsatzfahrzeugen- jeder war fröhlich, denn so eine Action passiert ja nicht jeden Tag. Nach einiger Zeit waren alle TV-Sender Österreichs versammelt und alle schauten gebannt auf die Rauchschwaden- “leider geil“, wird sich ein jeder von uns gedacht haben. Mir persönlich ist es nicht schade um da blöde Donauzentrum, wirklich. Fragt dann ein Reporter unseres Vertrauens den Chef-Feuerwehrsprecher: „Und warum steigt da schwarzer Rauch auf?“ Sagt der Feuerwehrmann: „Weil der Papst noch nicht gewählt worden ist.“ Als wir nach einiger Zeit das unglaublich spannende Geschehen betrachtet hatten, das wir, wie alle anderen Gaffer, von mehreren Seiten handysierten und facebookierten, um ja kein bißchen Rauch zu verpassen oder die schwindelfreien Feuerwehmänner mit ihren Kettensägen am Dach des mehrstöckigen Komplexes, stieg endlich weißer Rauch auf. Das war das Zeichen, dass wir gehen konnten, obwohl es mich, wie die anderen Dummglotzer, wie magisch hinzog, dort zu bleiben und dauernd draufzustarren auf die vielen Fernsehkameras von den TV-Sendern, auf die Einsatzkräfte, die Action am Dach und schließlich auf jeden, der dazukam, um ein bißchen von dem giftigen Rauch, der dank des Windes sich super über die Gegend verteilte, abzubekommen und ein Selfie zu machen oder ein Video zu drehen. Frage mich, wie viele Fotos und Videos von dem leider geil brennenden Donauzentrum heute gepostet wurden?

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Über ruthwitt

Politikwissenschafterin.
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