Schweizerhaus ade…

Früher war alles besser. Zum Beispiel das Schweizerhaus im Wiener Prater. Irgendwie fiel mir und den Bekannten nichts anderes ein und wir sagten- treffen wir uns im Schweizerhaus. Es ist vielleicht auch immer wieder diese Schweizerhaus-Nostalgie, dass man sich in einem schönen Biergarten trifft und dieses wunderbar schäumende Bier genießt- unter lauter Bierseligkeit suchenden Wienern, darunter auch so manchem dort ganz unauffällig in der Menge verschwindenden Prominenten. Heute freilich ist das alles ein wenig anders. Früher konntest du problemlos zum Parkplatz beim Schweizerhaus hinfinden. Heute ist dort die Messe Wien, die Universität und lauter neuer Prater-Anbau, den keiner braucht, außer, der vollkommen über jedes Maß hinausreichende Massentourismus, der aus dem Prater ein Disneyland- einen Vergnügungspark amerikanischer Art gemacht hat. Wir sind eine halbe Stunde im Zweiten Bezirk im Kreis gefahren, ich schwöre, der Praterstern kann mir in Zukunft gestohlen bleiben, weil man durch diese verdammten Prater-Anbauten (Messe, Hotels, Uni), gar nicht mehr zum Weg hin zum Parkplatz beim Schweizerhaus hinfindet. Dort endlich angekommen- wir mussten uns, trotz Wiener am Steuer, durchfragen, jetzt weiß ich aber ganz genau, wo die Polizei und die Uni ist, fanden wir natürlich keinen Parkplatz und mussten wieder unsere Runden drehen. Der Parkplatz ist übrigens nicht billig- wie halt alles. Aber gut. Nachdem wir nach zahlreichen Suchereien einen Tisch gefunden hatten (bei den WCs, was bei Biergenuss ja gar nicht so unpraktisch ist), bestellte sich einer aus der Runde eine Stelze. Es war reine Nostalgie, nehme ich an, denn er hat unglaublich das Gesicht verzogen, als er die Stelze aß, die ihm gar nicht geschmeckt hat. Ich hatte mir meine Meinung schon gebildet, als ich die Asiaten neben uns am Tisch sah, wie sie auf die Stelze Sojasauce übergossen. Warum bestellt man sich so ein armes Schwein, um es dann mit Sojasauce zu übergießen? Warum verstopfen diese Leute die Plätze im Schweizerhaus, wenn die weder das Bier noch die Stelze wollen? Sollen sie doch zu den zahlreichen Asia-Restaurants am Naschmarkt! Aber die Stelze war auch jammerschlecht, so sagte der Bekannte bei uns am Tisch und ließ mehr als die Hälfte stehen. Er sagte, das sei nicht dasselbe wie früher. Schmeckt wie aus der Fabrik und nicht mehr nach Schweizerhaus. Könne man genauso gut vom Grill-Standl eine bestellen- die würde sicher besser schmecken. Genauso war es mit dem Bier. Da verzogen wir alle das Gesicht. Es schmeckte nicht besonders gut. Es war nicht mehr das gleiche Bier. Ich war ja sowieso kein Fan von überschäumendem Bier, aber das Schweizerhaus-Bier- das können wir (ich und meine Bekannten) alle bezeugen- war früher besser. Es war auch das Schweizerhaus vollgestopft mit Touristen und hatte die Atmosphäre eines Wiener Biergartens wirklich nicht mehr. Ich glaube fast, da gehen nur mehr echte Radikal-Fans hin. Wir entschieden, auch wenn meine Bekannten das Schweizerhaus noch von früher kennen und echte Nostalgiker sind-, dass das unser letztes Mal war. Der Prater ist einfach nur mehr was für die Leute, die sich ihr Weltbild aus „Nickelodeon“ holen und für jene, für die bei uns in Europa eigentlich alles gleich ist und man es am Besten mit Sojasauce übertünchen tut. Für solche Gäste brauchst kein außergewöhnliches Bier und auch keine besondere Stelze- es reicht, eine gute „Show“ abzuliefern. Ich möchte nebenbei erwähnen, dass ich schon immer kein Fan von den komischen Imbissen wie steinharten Rösti oder Rohscheiben oder Radi war und auch kein Fan von den WCs dort, wo eine sehr unsympathische Klofrau an einem Tresen vor den WCs sitzt und Geld einsammelt. Ich fühle mich als nicht wenig Geld dalassender Kunde des Schweizerhauses von diesen WC-Wächtern regelrecht genötigt und mir vergeht da wirklich alles. Wir haben im Übrigen schon im 22en ein Wirtshaus mit gutem Bier, schönem Garten, gutem Essen, super Service und etwas heimischer Atmosphäre gefunden- bis sie auch dort irgend etwas (es ist ja schon genug dort) hinbauen und das Gasthaus in der Bedeutungslosigkeit verschwindet oder lauter Bustouristen und Flugtouristen bedienen wird, denen eigentlich alles wurscht ist.

Über ruthwitt

Politikwissenschafterin.
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