Der Hoflieferant

Als ich von Kurzem einen Tee trank, dessen Erzeuger damit warb, Hoflieferant von Königin Elisabeth II zu sein, wurde mir das Getränk gleich weniger schmackhaft. Aber ich bin da wohl die Ausnahme, denn auch in Österreich wirbt man gern damit, Hoflieferant zumindest gewesen zu sein. Selbst wenn es keinen Hof mehr gibt, fühlt man sich wie etwas Elitäres und Besonderes, wenn man in so einem Geschäft einkauft. Ob damals beim Nobelkaufhaus „Braun“ in Wien oder heute noch in der Hofkonditorei Demel, der KuK Hofzuckerbäckerei Heiner und dem KuK Hofzuckerbäcker Gerstner- wenn die, die mit einem goldenen Löffel im Mund geboren waren, sich von jenen beliefern ließen, dann muss man zugreifen. Auch das „einfache Volk“ will sich einmal aristokratisch fühlen. Auf aller Welt werben Geschäfte damit, Hoflieferanten von Monarchen zu sein, obgleich die Regierungsform oft durch eine andere ersetzt worden ist. Oligarch, Monarch- was ist da schon für ein Unterschied? Die Reichen fressen einem genauso die Haare vom Kopf wie die Adeligen, dabei wäre es doch einmal witzig, wenn ein Geschäft mitten im Zentrum einer Großstadt damit werben würde, „Proletenlieferant“ seit anno dazumal zu sein. Man sollte endlich von dieser Verehrung einer ausbeuterischen und nur sich selbst bereichernden Aristokratie ablassen und in Geschäften die würdigen, die bis heute ausgebeutet werden und teilweise in Verhältnissen leben, in denen man sich nicht unbedingt das gönnt, womit schon König, Königin und Kaiser verwöhnt wurden.

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Ich kaufe mir eine Tracht

Wie ich mir so die Werbung eines namhaften Trachtenherstellers anschaue, erhalte ich eine Inspiration zum Brauchtums-Shopping. Würden mich die Österreicher am Land nicht viel mehr tolerieren (von akzeptieren kann keine Rede sein) und respektieren, wenn ich am Sonntag auf dem Kirchplatz mit einer Tracht auftauche? Wäre ich dann nicht wenigstens ein bißchen eine der „ihrigen“? Andererseits- dürfen Nicht-Nationale überhaupt eine Tracht tragen? Oder kommt dann gleich die Volkstums-Polizei und nimmt mich wegen Beleidigung ethnographischer Symbole fest? Bist du nicht Tracht, bist du nicht Österreich- das musste ich schon bei zahlreichen Anlässen und vielerorts bemerken. Das heißt nicht, dass man zu den „Fremden“ nicht gastfreundlich ist, aber man wird als „Wer von anderswo“ einfach nie 100% dazugehören. In einem Land, in dem das Beste und Sehenswerteste das reaktionäre Erbe aus der Vergangenheit ist, muss man sich nun einmal damit abfinden.

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Jö oder doch nicht „Jö“?

Soll ich nun die Jö-Karte holen und den Treue-Bonus genießen? Minus Fünfundzwanzig Prozent auf „Brot und Gebäck Kuchen und Mehlspeisen Sortiment“? Wie gut kann dieses Sortiment überhaupt sein, wenn es so großzügig reduziert wird? Oder sind unsere persönlichen Daten und unser Briefkasten so wertvoll, dass das Reduzieren sich so richtig auszahlt?

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„Ihr Traummann war der Würger“

So titelte einst ein „Jerry Cotton“. Ein Bekannter erzählte, dass viele Frauen in den USA, laut gewissen TV-Sendungen, sich in Verbrecher und Schwerverbrecher verliebten und sie sogar im Gefängnis heirateten. Darunter Mörder und Sexualstraftäter. Aber man braucht nicht in die Ferne zu schweifen, denn Österreich wäre nicht Österreich, wenn es nicht mit einer (dadurch?) prominenten und in den Medien nicht selten präsentierten Rechtsanwältin aufwarten würde, die in einen Serienmörder verliebt war (war?): Jack Unterweger. Österreich ist ja ein Land der Selbstdarsteller- ob beim Opernball, bei den Salzburger Festspielen oder an jeder Location, wo man in die ORF-Seitenblicke „kommen kann“. In Deutschland mangelt es einfach an gewissen Skandälchen wie dem von Strache und auch an Mördern, die durch Medien und gewisse Gehilfen, die sich auch selbst helfen, groß herauszukommen, zu so etwas wie Medienhelden bzw. Idolen werden:

https://kurier.at/chronik/oesterreich/jack-unterwegers-vertraute-habe-einen-moerder-geliebt/70.357.231

https://www.heute.at/s/-57294644

https://de.wikipedia.org/wiki/Jack_Unterweger

https://www.falter.at/falter/video/KqE6X7uHt38/die-geheimen-strache-videos-worum-es-geht/PLDEF9F823EE37271C

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Schimpfkultur

Die Deutschen schimpfen beizeiten gern. Österreicher auch. Na ja- wer nicht? Frustration über jemanden oder Wut auf jemanden und schon bricht es aus einem heraus: „Leck mich doch am Arsch!“ Oder: „Du kannst mich mal am Arsch lecken!“ Auch, wenn der berühmte Schriftsteller Goethe das Mal auf ähnliche Weise (im Arsche und nicht am Arsch) gesagt haben soll- das macht den Ausspruch nicht weniger vulgär. Ganz anders sind da die Österreicher- die sind direkt kultiviert in ihrer Schimpferei: „Kannst mich gern haben!“ heißt es bei denen. Ist das nicht wunderbar? Schimpfen und gleichzeitig etwas Nettes sagen- das kann nur ein Ösi!

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Gordon bleu vs Cordon bleu

Ich habe mir schon gedacht, dass ich spinne. Ich achte immer sehr auf die Rechtschreibung- ist so ein Tick von mir. Und wo ich in Österreich auch in ein Restaurant gehe- statt Cordon Bleu steht Gordon Bleu! Ich vermutete, dass ich mich vielleicht vorher im Leben immer getäuscht habe und dass das die richtige Schreibweise sei. Es hat mir keine Ruhe gelassen und bei Wikipedia wurde ich endlich fündig- warum das bei den Österreichern anders heißt. Die österreichische Dialektik hat mir schon öfters Schwierigkeiten bereitet. Ganz am Anfang, als ich Wiener „Haberdehre“ sagen hörte, dachte ich als „Piefke“, dass sie so etwas wie „Hasardeure“ oder so sagen und ich fragte mich, was das in dem Zusammenhang bedeuten soll. Lange Zeit später erfuhr ich nach einer Nachfrage, was der Ausdruck bedeutet. Die Österreicher sagen auch gern andere Namen zu Gemüse: Erdäpfel- als hätten Kartoffeln etwas mit Äpfeln zu tun! Oder Fisolen. Na ja, hört sich besser an als Grüne Bohnen oder Brechbohnen. Fantasievoller. Andererseits haben wir viel mehr Fantasie beim Gericht „Falscher Hase“. Faschierter Braten- was soll das denn sein? Was ist denn bitte „faschiert“? Die Österreicher sagen auch gern zu etwas, das sie nicht mögen „Hurn“, dort, wo wir „Piefke“ gern Fäkalsprache, also „Scheiß“ verwenden. Was aber ist jetzt besser oder moralischer? Ich werde jedenfalls weiterhin zu Tomate Tomate sagen, auch, wenn die Österreicher sich da wieder was herausnehmen und dazu Paradeiser sagen!

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„Hausgemacht“

Es herrscht in den Medien viel Aufregung wegen der „Teigtascherl-Mafia“. Illegal zu Hause hergestellte Teigtascherln? Ja, aber gibt es nicht Schlimmeres? Wird denn zum Beispiel beim „Döner-Kebap“ nicht auch so gut wie alles zu Hause hergestellt? Ist „hausgemacht“ nicht ein Merkmal von Qualität? Ich wette, das ist alles nur eine Intrige von der „Kasnudel-Mafia“, die ihre asiatischen Konkurrenten vom Markt verdrängen will. Mein Bekannter erzählte übrigens, es seien so und so viele Leute nach dem Genuss von Gerichten in Asia-Restaurants an Salmonellen erkrankt. Aber gar nicht wegen des „Asiatischen“, sondern wegen in den Speisen verarbeiteter polnischer Käfigeier. Ich esse trotzdem, wenn es schnell gehen muss, gern etwas im China-Restaurant, denn leider verstehen viel zu viele Leute nicht, wie man nahrhaftes vegetarisches Essen zubereitet und glauben, dass Vegetarier sich von Salat ernähren- „gefälschte“ Teigtascherln hin oder her.

https://www.krone.at/1972867

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Schweizerhaus ade…

Früher war alles besser. Zum Beispiel das Schweizerhaus im Wiener Prater. Irgendwie fiel mir und den Bekannten nichts anderes ein und wir sagten- treffen wir uns im Schweizerhaus. Es ist vielleicht auch immer wieder diese Schweizerhaus-Nostalgie, dass man sich in einem schönen Biergarten trifft und dieses wunderbar schäumende Bier genießt- unter lauter Bierseligkeit suchenden Wienern, darunter auch so manchem dort ganz unauffällig in der Menge verschwindenden Prominenten. Heute freilich ist das alles ein wenig anders. Früher konntest du problemlos zum Parkplatz beim Schweizerhaus hinfinden. Heute ist dort die Messe Wien, die Universität und lauter neuer Prater-Anbau, den keiner braucht, außer, der vollkommen über jedes Maß hinausreichende Massentourismus, der aus dem Prater ein Disneyland- einen Vergnügungspark amerikanischer Art gemacht hat. Wir sind eine halbe Stunde im Zweiten Bezirk im Kreis gefahren, ich schwöre, der Praterstern kann mir in Zukunft gestohlen bleiben, weil man durch diese verdammten Prater-Anbauten (Messe, Hotels, Uni), gar nicht mehr zum Weg hin zum Parkplatz beim Schweizerhaus hinfindet. Dort endlich angekommen- wir mussten uns, trotz Wiener am Steuer, durchfragen, jetzt weiß ich aber ganz genau, wo die Polizei und die Uni ist, fanden wir natürlich keinen Parkplatz und mussten wieder unsere Runden drehen. Der Parkplatz ist übrigens nicht billig- wie halt alles. Aber gut. Nachdem wir nach zahlreichen Suchereien einen Tisch gefunden hatten (bei den WCs, was bei Biergenuss ja gar nicht so unpraktisch ist), bestellte sich einer aus der Runde eine Stelze. Es war reine Nostalgie, nehme ich an, denn er hat unglaublich das Gesicht verzogen, als er die Stelze aß, die ihm gar nicht geschmeckt hat. Ich hatte mir meine Meinung schon gebildet, als ich die Asiaten neben uns am Tisch sah, wie sie auf die Stelze Sojasauce übergossen. Warum bestellt man sich so ein armes Schwein, um es dann mit Sojasauce zu übergießen? Warum verstopfen diese Leute die Plätze im Schweizerhaus, wenn die weder das Bier noch die Stelze wollen? Sollen sie doch zu den zahlreichen Asia-Restaurants am Naschmarkt! Aber die Stelze war auch jammerschlecht, so sagte der Bekannte bei uns am Tisch und ließ mehr als die Hälfte stehen. Er sagte, das sei nicht dasselbe wie früher. Schmeckt wie aus der Fabrik und nicht mehr nach Schweizerhaus. Könne man genauso gut vom Grill-Standl eine bestellen- die würde sicher besser schmecken. Genauso war es mit dem Bier. Da verzogen wir alle das Gesicht. Es schmeckte nicht besonders gut. Es war nicht mehr das gleiche Bier. Ich war ja sowieso kein Fan von überschäumendem Bier, aber das Schweizerhaus-Bier- das können wir (ich und meine Bekannten) alle bezeugen- war früher besser. Es war auch das Schweizerhaus vollgestopft mit Touristen und hatte die Atmosphäre eines Wiener Biergartens wirklich nicht mehr. Ich glaube fast, da gehen nur mehr echte Radikal-Fans hin. Wir entschieden, auch wenn meine Bekannten das Schweizerhaus noch von früher kennen und echte Nostalgiker sind-, dass das unser letztes Mal war. Der Prater ist einfach nur mehr was für die Leute, die sich ihr Weltbild aus „Nickelodeon“ holen und für jene, für die bei uns in Europa eigentlich alles gleich ist und man es am Besten mit Sojasauce übertünchen tut. Für solche Gäste brauchst kein außergewöhnliches Bier und auch keine besondere Stelze- es reicht, eine gute „Show“ abzuliefern. Ich möchte nebenbei erwähnen, dass ich schon immer kein Fan von den komischen Imbissen wie steinharten Rösti oder Rohscheiben oder Radi war und auch kein Fan von den WCs dort, wo eine sehr unsympathische Klofrau an einem Tresen vor den WCs sitzt und Geld einsammelt. Ich fühle mich als nicht wenig Geld dalassender Kunde des Schweizerhauses von diesen WC-Wächtern regelrecht genötigt und mir vergeht da wirklich alles. Wir haben im Übrigen schon im 22en ein Wirtshaus mit gutem Bier, schönem Garten, gutem Essen, super Service und etwas heimischer Atmosphäre gefunden- bis sie auch dort irgend etwas (es ist ja schon genug dort) hinbauen und das Gasthaus in der Bedeutungslosigkeit verschwindet oder lauter Bustouristen und Flugtouristen bedienen wird, denen eigentlich alles wurscht ist.

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Kann „wer nix kann“ heute noch Wirt werden?

Ich habe Mal einen bekannten Gastwirten gefragt, was das eigentlich ist- so eine Registrierkasse. Ich verstand einfach nicht, warum da so viel Wirbel darum gemacht wurde, als damals die Registrierkassenpflicht eingeführt wurde. Nachdem ich mir online die Registrierkassensicherheitsverordnung angeschaut hatte, wurde ich nicht viel klüger- ich meine- da musst du Jurist, Informatiker und Wirtschaftswissenschaftler sein, um bei diesem Experten-Latein durchblicken zu können. Wie machen das bloß die Restaurant-Besitzer? Wenn ich da so nachlese über die Pflichten eines jeden Lokalbesitzers, frage ich mich, ob das irgend einer von denen alleine schafft? Oder landet alles beim Steuerberater, der das dann „schon macht“? Wie ich so meinen Bekannten über seiner Buchhaltung und den ganzen Belegen sitzen sah, habe ich mir gedacht, dass das nicht gerade der Traumjob ist, wie es einem vom Fernsehen und vom ersten Eindruck her vorkommt. Haben die bei dem ganzen Registrierungsgewusel überhaupt noch Zeit, zu bewirten?

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Fair zum Tier?

Letztens habe ich bei einem Produkt von Hofer, einer Wurst der Marke „Fair Hof“, auf der Aufschrift so ein Motto gelesen, das mich stutzig werden ließ: „Fair zum Bauern. Fair zum Tier.“ Fair zum Tier? Klingt zwar nett, lieb und tierfreundlich, aber inwiefern ist eine Schlachtung „fair zum Tier“? Ist das nicht genauso grotesk, wie zu sagen, es sei fair zu den alten kranken Menschen im Pflegeheim, sie „notzuschlachten“?

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